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Hollfeld, Mariä Himmelfahrt

Außenansicht der Pfarrkirche Hollfeld
  • Baumeister: Johann Josef Vogel
  • Bauzeit: 1778 - 1781
  • Patronatsfest: 15. August

Die Hollfelder Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein eindrucksvolles Zeugnis fränkischer Kirchenbaukunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Am Außenbau scheint das verspielte Rokoko bereits überwunden, schlichte frühklassizistische Eleganz hat sich durchgesetzt. Im Inneren fügt sich die reiche, qualitätvolle Ausstattung der ehemaligen Bamberger Dominikanerkirche überaus harmonisch in den schlichten Kirchenraum ein, auch wenn es spürbar bleibt, dass sie nicht für diesen Aufstellungsort geschaffen wurde.

Baugeschichte

Über das Aussehen der romanischen Kirche des 11./12. Jahrhunderts liegen keine gesicherten Quellen vor. Über ihren Fundamenten wurde im späten Mittelalter ein gotischer Bau mit Chorturm errichtet.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Hollfelder Pfarrkirche einige Zerstörungen, wurde mehrmals wieder aufgebaut und restauriert. Nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1724, der auch Kirche und Pfarrhof vernichtet hatte, waren keine Mittel für einen zeitgemäßen Neubau vorhanden. Die Kirche wurde zwar renoviert, doch verschlechterte sich ihr Zustand mit der Zeit immer mehr. Im Jahre 1777 entschied man sich schließlich für einen Neubau der Kirche. 

Zwischen 1778 und 1781 wurde die Hollfelder Pfarrkirche von Grund auf neu errichtet. Ursprünglich hatte Fritz Ignaz Michael Neumann (1733‐1785), der Sohn des berühmten Balthasar Neumann, Pläne für einen Zentralbau vorgelegt, die zwar die Zustimmung des Bamberger Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (1757‐1779), aber nicht die der Hollfelder Gemeinde fanden. Die teure Planung entsprach nicht der desolaten Hollfelder Finanzlage. Nach einigem Ringen entschied man sich schließlich für den Entwurf des Bamberger Baumeisters Johann Josef Vogel (gest. 1785), der in den Jahren 1778 bis 1781 zur Ausführung kam. Nach langen schwierigen Planungen entstand schließlich einer der stattlichsten Kirchenbauten des Bamberger Umlandes. 

Bereits am 16. Juni konnte die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden, die feierliche Weihe fand erst am 10. September 1826 statt.

Baubeschreibung

Der Kirchenbau ist ein eindrucksvolles Zeugnis frühklassizistischer Kirchenbaukunst in Franken. Der Fassadenturm beherrscht das schlichte äußere Erscheinungsbild des Gotteshauses. Durch das Hervortreten des Turmes wird die Mitte der dreiteiligen Fassade kräftig akzentuiert, die vorgelegte Pilastergliederung unterstreicht deren starke Vertikaltendenz. Geschwungene seitliche Giebel mit zierlichen Voluten vermitteln zwischen Turm und Seitenpartien. Rundbogenfenster und Figurennischen verleihen der Kirchenfront zusätzlichen Schmuck. Die Statuen der Heiligen Heinrich und Kunigunde, des kaiserlichen Stifterpaares der Diözese Bamberg, sind Werke des Hofbildhauers Johann Bernhard Kamm (1736‐1816) aus dem Jahre 1780. Das prächtige Wappen des zur Bauzeit amtierenden Fürstbischofs Franz Ludwig v. Erthal (1779‐1795) prangt über dem Portal. Den weiteren Schmuck der Kirchenfassade bilden in vornehmer Zurückhaltung frühklassizistische Ornamente unterhalb der Figurennischen, in Voluten endende Segmentbögen und bekrönende Vasen.

Der Besucher betritt das Innere der Kirche durch die kleine Vorhalle im Untergeschoß des Turmes. Im Eingangsjoch schwingt die auf zwei Stützen ruhende Orgelempore in den Raum hinein. Pilasterbelegte Wandpfeiler gliedern das weite, durch hohe Rundbogenfenster belichtete Langhaus und bilden flache Wandnischen aus. Das mittlere Joch nimmt beidseitig die Seitenportale auf. In das schlichte Tonnengewölbe schneiden große Stichkappen ein und lassen so den Eindruck eines Kreuzgratgewölbes entstehen.

Der größte Teil der Ausstattung der neuen Hollfelder Pfarrkirche wurde 1804 aus der kurz zuvor säkularisierten Dominikanerkirche in Bamberg erworben. Die drei Altäre, die Kanzel und die Beichtstühle zeichnen sich besonders durch ihr hohes künstlerisches Niveau aus. Der ursprüngliche Bezug zu dominikanischen Bildthemen wird besonders in der Wahl der plastischen Werke deutlich. Die meisten Ausstattungsstücke entstanden nach Entwürfen des angesehenen Bamberger Hofbildhauers Johann Bernhard Kamm. Im Werk des Künstlers, der seine Lehre bei Wolfgang von Auvera in Würzburg absolviert hatte, ist der Übergang vom späten Rokoko zum Frühklassizismus gut nachvollziehbar.

Der Chor mit seiner Ausstattung

In einem weiten Triumphbogen öffnet sich am Ende des Langhauses der einjochige Chor mit dreiseitigem Schluss. Die Figuren des hl. Johannes des Täufers und eine Maria Immaculata flankieren den Chorzugang. Eindrucksvoll unterstreichen die großen seitlichen Glasfenster die Wirkung des Raumes.

Die medaillonartigen Darstellungen der Verkündigung an Maria, des Erzengels Michael mit Schwert und Waage sowie der Taufe Christi werden von ornamentalen Teppichmustern eingefasst. Eine Bordüre mit Blatt‐ und Blütenformen bildet den äußeren Rahmen der Fenster. Die Glaswerke entstanden im Jahre 1903 in der Bamberger Glasmalerei Schmitt und Postek.

Die Figuren der Heiligen Florian und Blasius zu beiden Seiten des Hochaltars sind ausgezeichnete Arbeiten Bernhard Kamms. die sich insbesondere durch ihre differenzierte, dynamische Gewandsbehandlung auszeichnen. Der hl. Florian in römischer Soldatenuniform löscht mit einem Wasserkrug das brennende Haus. Der hl. Blasius, Patron der Ärzte, Bäcker, Bauarbeiter und Schneider, ist als Bischof mit Mitra und Stab dargestellt.

Die Stirnwand des Chores wird vollkommen von dem breiten viersäuligen Hochaltar eingenommen, der mit seinem Aufsatz bis in die Wölbungen hineinreicht. Der Altar wurde 1760 von Bernhard Kamm geschaffen und war in der Bamberger Dominikanerkirche ursprünglich dem hl. Valentin geweiht. Je zwei übereck gestellte, rot‐braun marmorierte Säulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen erheben sich über einem hohen Sockel. Die Säulenstellung rahmt das Altarblatt und verleiht dem Aufbau Plastizität und Dynamik. Die Statuen der Heiligen Augustinus, Hieronymus, Johannes von Nepomuk und Nikolaus flankieren die Säulen. Sie repräsentieren die besondere Aufgabe der Predigt innerhalb des Dominikanerordens. Der hl. Augustinus und der Einsiedler Hieronymus gehören zu den vier abendländischen Kirchenvätern. Der hl. Johannes von Nepomuk, der Nationalheilige Böhmens, zählte im 18. Jahrhundert zu den beliebtesten Heiligen. Nikolaus, der hl. Bischof von Myra, steht hier wahrscheinlich stellvertretend für Nikolaus Palea, den 1197 bei Bari geborenen Schüler des hl. Dominikus.

Auf den schwungvollen, rocaillebesetzten Voluten des Auszuges sitzen Engel mit den Attributen der drei Kardinaltugenden. Der Kelch steht für den Glauben, das Herz für die Liebe und der Anker ist das Zeichen der Hoffnung.

Die beiden ursprünglichen Altarblätter wurden bereits unmittelbar nach dem Erwerb der Ausstattung entfernt. Das heutige nazarenische Hauptaltargemälde zeigt, gemäß dem Patrozinium der Pfarrkirche, die Aufnahme Mariens in den Himmel in kräftigem Kolorit. Engel geleiten die Mutter Gottes in den Himmel, während die Apostel staunend um das leere Grab stehen. Im Auszug warten Christus und Gottvater auf Maria, über ihnen der Hl. Geist in Gestalt der Taube.

Der reich mit Rocaillen geschmückte Tabernakelaufbau von 1762 ist ebenfalls ein Werk aus der Hand Bernhard Kamms. Auf dem Altarantependium ist in zartem Relief Moses vor dem brennenden Dornbusch dargestellt. In dem lodernden Strauch erscheint das Wort „Jahwe“, der hebräische Name Gottes.

Ausstattung im Langhaus

Die schräg gestellten Nebenaltäre sind paarweise in ihrer Gestaltung aufeinander abgestimmt und der Größe nach zum Hochaltar hin gestaffelt. 

Das westliche, dem Eingang am nächsten liegende Altarpaar ist relativ schlicht gehalten und stammt noch aus dem Vorgängerbau der heutigen Kirche. Auf der linken Seite wird der hl. Wendelin mit Hirtenstab von zwei gotischen Bischofsstatuen flankiert. Die qualitätvollen Schnitzarbeiten wurden um 1480/90 in der Art des Bamberger Meisters Ulrich Widmann wahrscheinlich für die Flügel eines Schnitzaltares gearbeitet.

Auf der rechten Seite begleiten die hl. Anna, mit der jugendlichen Maria, und die hl. Barbara, mit Schwert und Kelch, den Pestheiligen Sebastian. In der goldenen Strahlenglorie des Auszuges sieht man das Auge Gottes.

Die beiden größeren, östlichen Nebenaltäre stammen, wie der Hochaltar, aus der säkularisierten Bamberger Dominikanerkirche. Die von dem Bamberger Bildhauer Johann Adam Stöhr (1722 – 1758) geschaffenen Rokoko‐Altarwerke überzeugen durch ihre hohe künstlerische Qualität. Elegante, übereck gestellte Säulen auf schlanken Piedestalen erheben sich vor geschwungenen, mit verzierten Pilastern belegten Rückwänden. Rocaillen, Blumenranken und Voluten sowie hervorragende Plastik vervollständigen den Schmuck der Altäre. Ihr Bildprogramm ist aber auf ihren ursprünglichen Aufstellungsort und somit auf den Predigerorden der Dominikaner abgestimmt und nimmt daher keinen direkten Bezug auf die Stadt Hollfeld.

Das Gemälde des linken Seitenaltars ist ein Werk des Malers Johann Anwander (um 1715 – um 1770) aus dem Jahr 1756. Ein Engel gürtet den berühmten italienischen Theologen und Philosophen Thomas von Aquin (1224‐1274). Als größter Vertreter der Scholastik des 13. Jahrhunderts, der sich u.a. intensiv mit den Schriften des griechischen Philosophen Aristoteles auseinandergesetzt hat, erlangte der hl. Thomas besonders durch die Schriften „Summa theologica“ und „Summa contra Gentiles“ (gegen die Heiden) Berühmtheit. Im Auszug des Altares wird die hl. Katharina von Siena, eine der größten Mystikerinnen des Mittelalters, vom Christuskind mit einem Blumenkranz gekrönt.

Der rechte Altar ist einem weiteren Dominikaner, dem hl. Vinzenz von Ferrer geweiht. Der 1350 in Valencia geborene Vinzenz wurde bald nach seinen Theologie‐ und Philosophiestudien Lehrer an der dortigen Domschule, wo er schon bald durch beeindruckende Predigten Aufsehen erregte. Nach seinem Dienst am königlichen Hof von Aragon und im Palast des Gegenpapstes Clemens VII. in Avignon zog er zwischen 1399 und 1409 predigend durch Spanien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Vinzenz von Ferrer, einer der größten Bußprediger des Mittelalters, wurde bereits 1455 heiliggesprochen, seine Gebeine ruhen im Dom zu Vannes in der Bretagne.

Die Statuen der heiligen Petrus und Judas Thaddäus stehen seitlich des Altarblattes, das Gemälde des Auszugs zeigt die Stigmatisation der hl. Theresia von Avila.

Die Kanzel

Die elegante Kanzel wurde 1769 nach einem Entwurf Bernhard Kamms von Frater Alvarius von Ostheim aufgeführt. Zierliche Putten sitzen auf den Voluten des geschwungenen Kanzelkorbes und umspielen das flammende Herz der göttlichen Liebe. Der Turm mit Schlüsseln und Bischofsmütze ist das Sinnbild der Kirche, die vier Plastiken symbolisieren die damals bekannten Erdteile Europa, Asien, Amerika und Afrika. Ein Engel mit den Gesetzestafeln des Moses bildet den oberen Abschluss des dynamisch bewegten Schalldeckels.

Sonstige Ausstattung

Auf einer Konsole an der linken Kirchenwand hat die eindrucksvolle Figurengruppe der heiligen Anna Selbdritt ihren Platz. Die Heilige sitzt auf einer Bank und hält ihre Tochter Maria und den Christusknaben in den Armen. Ein unbekannter fränkischer Meister schuf dieses qualitätvolle spätgotische Schnitzwerk um 1500, wohl nach einem Vorbild aus der Veit‐Stoß‐Schule.

Der Taufstein auf der linken Seite des Choreinganges, eine schlichte Sandsteinarbeit, wurde bereits um 1600 gefertigt. 

Das Tafelbild der „Maria vom Guten Rat“ an der rechten Langhauswand ist eine Kopie des berühmten Gnadenbildes in der Augustinerkirche des italienischen Wallfahrtsortes Genazzano. Das Bild wurde 1762 von dem italienischen Hofkammerrat Valentin Hofstetter für die Bamberger Dominikanerkirche gestiftet.

Die für die helle Kirche etwas dunklen Beichtstühle sind mit ihren schönen Schnitzarbeiten hervorragende Beispiele des späten fränkischen Rocaillestiles. 

Die Kreuzwegstationen stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die barocken Wangen des Kirchengestühles schuf wahrscheinlich der Hollfelder Schreiner M. Schramm.

Die Orgel

Im Sommer 1994 erhielt die Hollfelder Pfarrkirche eine neue Orgel. In aufwändiger Handarbeit entstand das qualitätvolle Instrument in der Passauer Orgelwerkstatt Wolfgang Eisenbarth. Es umfasst 2 Manuale und Pedal mit 31 Registern, mechanische Tontraktur sowie duale mechanische und elektrische Registertraktur. Das auf Homogenität ausgerichtete farbige Klangbild dieser Orgel steht im Einklang mit der sie umgebenden Architektur und Ausstattung, der sie durch die Gestaltung des Gehäuses auch in der äußeren Form Rechnung trägt.