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Hollfeld, St. Salvator

Außenansicht der Salvator-Kirche Hollfeld
  • Baumeister: Johann Leonhard Dientzenhofer
  • Bauzeit: 1704
  • Feier des Patroziniums am letzten Sonntag im September

Die Hollfelder St. Salvatorkirche ist schon seit Jahrhunderten ein Gnadenort. Ihre Ausstattung vereint einige wertvolle spätgotische Einzelstücke mit den guten barocken Arbeiten der Hollfelder Kunst-Schreinerfamilie Lauter. Die doppelgeschossigen Emporen zeugen von dem großen Pilgerstrom vergangener Zeiten, doch finden auch heute noch zahlreiche Gläubige in die kleine interessante Kirche.

Die Hollfelder St. Salvatorkirche ist schon seit Jahrhunderten ein Gnadenort. Ihre Ausstattung vereint einige wertvolle spät gotische Einzelstücke mit den guten barocken Arbeiten der Hollfelder Kunst‐Schreinerfamilie Lauter. Die doppelgeschossigen Emporen zeugen von dem großen Pilgerstrom vergangener Zeiten, doch finden auch heute noch zahlreiche Gläubige in die kleine interessante Kirche.

Geschichte

Die Ursprünge der Salvatorkirche reichen bis in das frühe Mittelalter zurück. Die älteste Hollfelder Kirche lag in früheren Zeiten „extra muros“, also außerhalb der Stadtmauern. Das seltene Salvator‐Patrozinium gibt einen Hinweis auf die ursprüngliche Zugehörigkeit der Feldkirche zur Urpfarrei Königsfeld und somit zum Bistum Würzburg. Dessen damaliger Dom war ebenfalls Christus geweiht.
Bald nach der Gründung der Diözese Bamberg im Jahr 1007 erfolgte die Neugründung der Hollfelder Pfarrei. Für den Christuskult im späten Mittelalter legen die erhaltenen Salvator‐Gnadenbilder im Inneren der Kirche beredtes Zeugnis ab. Die Wallfahrt nach Hollfeld ist die einzige Salvator‐Wallfahrt im Erzbistum Bamberg. Eine Legende, die sich um die Entstehung der Wallfahrt rankt, berichtet, dass an der Stelle der heutigen Wallfahrtskirche eine Eiche gestanden haben soll. Als sich ein Mann unter dem Baum ausruhte und unter Tränen mit seinem schweren Schicksal haderte, erschien ihm Christus mit Kreuz und Dornenkrone. Der Gottessohn sprach: „Du beklagst dich über dein Kreuz und glaubst es sei schwer. Siehe! Ich trage deinetwegen nun schon lange mein Kreuz. Trage das deinige mit Geduld, denn ich nehme dich bald zu mir.“ Daraufhin errichteten gläubige Bürger am Ort der Christuserscheinung die erste Salvatorkapelle der Stadt. Urkundlich kann die Entstehung der Wallfahrt nicht exakt belegt werden, doch bestand vermutlich 1430 bereits ein Salvator‐Benefizium. Nach der Reformation wurde die Wallfahrt im 17. Jahrhundert neu belebt und während des ganzen folgenden Jahrhunderts gepflegt. Bis heute werden in die Hollfelder Salvatorkirche Pilgerfahrten unternommen.

Kirchengebäude

Von den mittelalterlichen Vorgängerbauten der St. Salvator‐Kirche haben sich keine Zeugnisse erhalten. Der heutige Kirchenbau wurde an ihrer Stelle im Jahr 1704 durch Johann Leonhard Dientzenhofer errichtet. Eckquaderungen und geohrte Portalrahmen bilden den einzigen Schmuck des ansonsten schlichten Außenbaues. Der eingezogene Chor schließt in drei Seiten, ein kleiner Dachreiter mit Kuppel setzt auf dem Satteldach einen vertikalen Akzent. Beim Betreten der Kirche wird der Besucher von der lichten Weite des Gotteshauses überrascht.
Auch die für eine katholische Kirche seltenen Doppelemporen mindern diesen großzügigen Raumeindruck nur unwesentlich. Die Emporen weisen auf den großen Andrang von Gläubigen hin, den die Kirche in früheren Zeiten hatte und auch noch heute hat. Die in Gold gefassten Figuren Christi und der zwölf Apostel heben sich wirkungsvoll von dem dunklen Holzton der Emporenbrüstungen ab.
Muschelformen ersetzen hier die sonst üblichen Heiligenscheine. Der Triumphbogen sowie Portal und Fenster sind durch kunstvoll gemalte Rahmungen mit Voluten, Vasen und goldenen Girlanden betont.
Der einjochige Chorraum ist durch eine reiche Deckenbemalung ausgezeichnet, die eine Stuckierung nachempfindet. Putten mit den Leidenswerkzeugen wie Kreuz, Essigschwamm oder Dornenkrone umspielen Bandelwerk und Kartuschen. Heilungsszenen wie z.B. die Heilung der Blutflüssigen oder die eines Taubstummen zeigen Christus als Salvator, als Heiland.
Die gesamte Ausstattung der Kirche stammt aus der Werkstatt der Hollfelder Schreiner‐ und Bildschnitzerfamilie Lauter. Drei Generationen begabter Kunsthandwerker arbeiteten zwischen 1670 und 1780 in den Kirchen der fränkischen Heimat. Sie gehörten in ihrer Zeit zu den meistbeschäftigten Künstlern im Gebiet der nördlichen Frankenalb. Johann Lauter (1692‐1762) sowie dessen Söhne Joh. Georg (1720‐1777) und Joh. Philipp (1731‐1772?) schufen zahlreiche qualitativ hochstehende Werke z.B. in Vierzehnheiligen, Nankendorf und Weismain. Johann Philipp Lauter war Mitglied der angesehenen Langheimer Klosterwerkstätte.

Hochaltar

Der Hochaltar der Salvatorkirche wurde 1705 von Johann Lauter geschaffen. Der Hollfelder Schreinermeister fertigte den barocken Aufbau als Rahmen für die Skulpturengruppe im Zentrum des Altares. Die spätgotische Christusfigur aus dem Ende des 15. Jahrhunderts dürfte der älteste Teil des vielfigurigen Schnitzwerks sein. Die Skulpturengruppe wurde später durch die übrigen Figuren ergänzt. Sie zeigt den kreuztragenden Christus auf seinem schweren Weg nach Golgatha.
Eindringlich ist das schmerzgezeichnete Gesicht des Gottessohnes wiedergegeben. Als seitliche Assistenzfiguren, in der Art einer Kreuzigungsdarstellung begleiten Maria und Johannes Christus zur Hinrichtungsstätte. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen, gemäß der fünften Kreuzwegstation.
Einer der begleitenden Kriegsknechte stellt sich Christus in den Weg, mit einer ausgreifenden Bewegung weist er nach oben. Umringt von den Engeln der Strahlenglorie erscheinen Gottvater auf der Weltkugel und die Heilig‐Geist‐Taube im Auszuges des Altares, zwei große Engel sitzen auf den seitlichen Gebälkstücken. Die Skulpturen der Altarbekrönung werden dem Bamberger Leonhard Gollwitzer (1682‐1746) zugeschrieben.
Je vier Medaillonrahmen mit Passionsszenen zieren die Seitenpartien des Hochaltares: Auf der linken Seite ist das Gebet Jesu im Garten Gethsemane, Christus vor dem Hohen Priester, die Geißelung und die Dornenkrönung, auf der rechten Seite ist das „Ecce homo“, die Kreuztragung, die Kreuzigung und die Grablegung dargestellt. In früheren Zeiten konnte der Altar wohl als „Opfergangsaltar“ durch die seitlichen Portale umschritten werden.
Besondere Beachtung verdient die Kreuzigungsgruppe in der Expositionsnische des Tabernakels. Wie in Osterbildern der orthodoxen Ostkirche wird, neben Maria, Johannes und Maria Magdalena am Fuß des Kreuzes, Christus gezeigt, wie er in die geöffnete Vorhölle hinabsteigt, um die Toten zu neuem Leben zu erwecken.

Seitenaltäre und sonstige Ausstattung

Die Seitenaltäre wurden von Nikolaus Lauter als Gegenstücke gearbeitet, die Figuren und Verzierungen stammen von der Hand Johann Adam Stöhrs. Der rechte Altar zeigt das Martyrium des hl. Sebastian. Engelskinder ziehen Pfeile aus den Wunden des gemarterten Heiligen. Als Assistenzfiguren wurden die Pestheiligen Rochus und Johannes von Nepomuk, der Nationalheilige Böhmens, gewählt. Der hl. Antonius mit Christuskind und Lilie wendet sich auf der linken Altarseite dem Betrachter zu. Die hl. Maria Magdalena erscheint im Bild des Altarauszuges.Auf dem linken Nebenaltar flankieren ein Bischof und der hl. Stephanus das Bildnis der Muttergottes mit dem Christusknaben im Schoß. Außen rechts steht die hl. Apollonia, die Schutzheilige der Zahnärzte, mit der Zange als Attribut. Im Auszug des Altares erscheint Gottvater.
Links im Kirchenschiff hat der kleine, frühbarocke Gnadenaltar einen Platz. Der kreuztragende Christus, durch ein schmiedeeisernes Gitter gesichert, wurde bereits um 1480 gearbeitet. Es wird angenommen, dass die Brandspuren an der Holzfigur Jesu auf eine Beschädigung durch die Schweden im Jahre 1632 zurückgehen. Das kleine Gemälde des Auszuges zeigt die „freudige Trinität“, die Krönung Mariens durch Christus und Gottvater.
Besonders Beachtung verdient das Christusbild mit dem „Lentulusbrief“ an der linken Wand des Chores: Lentulus sollangeblich der Vorgänger des Pontius Pilatus als römischer Statthalter in Jerusalem gewesen sein und in einem Brief an Kaiser Tiberius das Leben und Wirken Jesu geschildert haben. Diese äußerst seltene, in der Diözese Bamberg einzigartige Christusdarstellung ist um 1630 entstanden. Sie stammt aus dem Nachlass des Abtes Dresel von Ebrach (1618‐1637), der es seiner Hollfelder Heimatstadt zugedacht hatte. Das Relief einer spätgotischen Marienkrönung hat über der Sakristeitür seinen Platz. Die Heiligen Michael und Joseph sowie eine Maria Immaculata schuf Johann Adam Stöhr um 1720.
Eine Baldachinrahmung mit reich geschnitzten barocken Arkanthusranken fasst die spätgotische Sebastiansstatue an der rechten Wand des Gotteshauses ein. Die ausdrucksstarke Holzfigur wurde um 1520 von einem unbekannten Künstler geschnitzt und zeichnet sich insbesondere durch das sensible, jugendliche Antlitz des Heiligen aus.

Die Salvatorlegende

Auf dem Platz, auf dem heute die Kirche steht, stand einst eine mächtige Eiche. Im Jahr 1300 ruhte ein wandernder Slawe unter ihr aus, von Hunger und Durst gequält. Vom Turm der Pfarrkirche wehte eine weiße Fahne, Musik war zu vernehmen, so dass er annahm, dass ein Fest gefeiert würde. Es war Kirchweihfest in Hollfeld, und die Fröhlichkeit der Stadt und seine Armut gingen dem Mann so zu Herzen, dass er weinte. Da erschien ihm eine Gestalt von mittlerer Größe und schöner Statur mit einem gestutzten Kreuz auf der Schulter und mit einer Dornenkrone auf dem Haupt. Diese redete den Mann an und sprach: „Du beklagst dich über dein Kreuz und glaubst, es sei zu schwer. Sieh! Ich trage deinetwegen nun schon lange mein Kreuz. Ich sage dir: Trage das Deinige mit Geduld, denn ich nehme dich bald zu mir.“ Mit diesen Worten verschwand die Erscheinung, die Christus selbst gewesen ist, vor seinen Augen. Der Mann erschrak darüber sehr, eilte in die nahe Stadt Hollfeld und erzählte der Bürgerschaft, was er gesehen und gehört hatte, und er wurde reichlich beschenkt.
Gottesfürchtige Bürger bauten auf dem Platz, wo Christus dem Mann erschienen war, eine Kapelle. Auch wurde zugleich von einem Bildhauer ein Bild gefertigt, welches die Erscheinung darstellte. Dieses Bild wurde im Schrein des Altars aufgestellt und mit einem Gitter versehen, damit es vor Verunehrung geschützt ist. Die Kunde von dieser Erscheinung, von der Erbauung der Kapelle und von vielen Gebetserhörungen verbreitete sich im weiten Land und zog bald viele Wallfahrer an.