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Oberailsfeld, St. Burkard

Außenansicht der Pfarrkirche Oberailsfeld
Außenansicht der Pfarrkirche Oberailsfeld

Geschichtliches

Die Pfarrkirche wurde 1769 "außerhalb der Kirchhofmauer“ durch den Baumeister Wenzeslaus Schwesinger von Waischenfeld erbaut und zählt heute zu den bedeutendsten Wandpfeilerkirchen der Fränkischen Schweiz. Sie ersetzte die alte gotische Kirche auf dem Platz des heutigen Pfarrzentrums, inmitten des Friedhofs, die häufig überschwemmt, baufällig geworden war. Das Datum der endgültigen Fertigstellung ist nicht bekannt. Konsekriert wurde die Kirche am 20. August 1780.

Hochaltar

Betritt man die Pfarrkirche Oberailsfeld durch das Hauptportal, so fällt der erste Blick auf den prächtigen Hochaltar des späten Barock. Über dem Hochaltar fällt zunächst eine Dreifaltigkeitsdarstellung ins Auge, die die Nähe der Dreifaltigkeitskirche Gößweinstein deutlich macht. Der dreifaltige Gott thront über allem. Von IHM geht alles aus, zu lHM strebt alles hin. lHM dienen die Engel. Sie bringen Weihrauchopfer dar. 

Das große Altarbild zeigt den heiligen Bischof Burkard (+754), den ersten Bischof von Würzburg, den Patron der Pfarrei und der Kirche. Das Patrozinium deutet darauf hin, dass die Kirche und der Ort ursprünglich wohl zum Bistum Würzburg gehörten. Vermutlich gab es schon Anfang des 9. Jahrhunderts eine Ansiedlung, wenn auch erste urkundliche Erwähnungen von Oberailsfeld erst im Jahr 1094 datierbar sind. 

Verbundenheit mit der Geschichte zeigen auch die beiden Heiligenfiguren rechts und links des Altarbildes. Der heilige Kaiser Heinrich ll. (links) ist mit seiner Gemahlin Kunigunde (rechts) Gründer des Bistums Bamberg, das er u.a. auch vom Würzburger Bischof "abgerungen" hat. Die spätbarocken Figuren zeigen das Kaiserpaar als Fürsten, die ihr Zepter darreichen, Zeichen für das demütige Ausüben ihres Standes. Die Pflugschar zu Füßen der hl. Kunigunde spielt auf die Legende ihres Treuebeweises an. Des Ehebruchs bezichtigt, musste sie zum Beweis ihrer Unschuld über glühende Pflugscharen barfuß gehen ohne sich zu verletzen. 

Nachdem Oberailsfeld am 27.1.1474 selbständige Pfarrei geworden war, gehörte sie auch zum Bistum Bamberg zunächst unter den Patronatsherren der Rabensteiner, die nach den Wirren und Kämpfen der Reformation und Gegenreformation im Jahr 1608 in einem Vertrag mit dem Fürstbischof von Bamberg auf das Patronat verzichteten. Verständlich, dass da beim Neubau der Oberailsfelder Kirche 1769-1780 besonders der Bamberger Bistumsgründer gedacht wurde.

Doch auch die Verbundenheit zu den Rabensteinern wird in Figuren deutlich. Der Neubau der Kirche wurde zum großen Teil aus der Rabeneck'schen Stiftung finanziert. Rabeneck aber gehörte mit seiner alten Burgkapelle den Rabensteinern. Der Patron der Rabenecker Kapelle ist der hl. Apostel Bartholomäus, der auch in der Pfarrkirche zu Oberailsfeld als freistehende Heiligenfigur auf der linken Seite zu sehen ist. 

Hoch über dem Ailsbachtal, von Kirchahorn kommend gut sichtbar, steht an der Stelle der ehemaligen Burg derer von Ahorn die evangelische Klaussteinkapelle, nur ein paar hundert Meter von der Burg Rabenstein entfernt. Auf dieses Patrozinium (Klaus = Nikolaus) bezieht sich die rechte freistehende Figur des hl. Bischofs Nikolaus von Myra. 

So zeigt allein schon die Darstellung des Hochaltars tiefe Bezüge zur Geschichte der Pfarrei und des Ortes. Man will der Heiligen gedenken, die hier im Laufe der Geschichte besonders verehrt wurden. Die Figuren sind so angeordnet, dass der Mittelpunkt der Tabernakel ist, der Aufbewahrungsort der Eucharistie. Auf Christus – gegenwärtig im Sakrament - weisen alle Heiligen hin. Mit IHM und durch IHN bringen sie die Gebete der Gläubigen zu Gott-Vater, der über allem thront.

Seitenaltäre

Der linke Seitenaltar, ein Marienaltar, wird geprägt von einer spätgotischen Madonna, vielleicht eine aus der vorherigen Kirche übernommenen Figur. Flankiert wird Maria von ihren Eltern, links dem hl. Joachim, rechts Anna, das Kind Maria an der Hand haltend.

Auf dem rechten Seitenaltar ist der hl. Märtyrer Sebastian die Hauptfigur, dargestellt als von Pfeilen Durchbohrter. Der Legende nach soll er, als er sich öffentlich zum Christentum bekannte, durch Pfeile hingerichtet werden, überlebte aber. Da er sich auch weiterhin zum Christentum bekannte, wurde er nach seiner Genesung erschlagen.  Die beiden „Apostelfürsten" Petrus (links) und Paulus (rechts) bilden die beiden Nebenfiguren. Petrus, dem von Jesus die Schlüssel des Himmelreiches übergeben wurden, wird mit Schlüsseln dargestellt, Paulus, der "mit scharfem Schwert" das Evangelium verkündigte, entsprechend mit Schwert und Buch.

Kanzel

Neben dem rechten Seitenaltar erhebt sich eine prächtig ausgestaltete Kanzel, geschmückt mit den Evangelisten. Der Kanzeldeckel wird geziert mit Engeln, die die Symbole der Kardinaltugenden tragen. Über dem Kanzeldeckel bläst der Engel die Posaune.  Die kleine Taube im lnnern des Kanzeldeckels weist darauf hin, dass der Prediger immer wieder um den Heiligen Geist, dessen Symbol eine Taube ist, beten muss. Der Kanzel gegenüber ist ein großes Kreuz angebracht. Es erinnert an Jesu Christi Tod, die Marienfigur darunter mit dem durch das Herz Mariens gehende Schwert an das Leid, das Maria getragen hat und an das Wort des greisen Simeon.

Weitere Innenausstattung

Die Kirche ist mit noch einer weiteren Mariendarstellung ausgeschmückt, der gegenüber eine Darstellung des hl. Josef angebracht ist. Nach dem ersten Fenster links ist noch eine Darstellung des Bauernpatrons, des hl. Wendelin, der vor allem in der ursprünglich ausschließlich bäuerlichen Bevölkerung sehr viel Verehrung fand.

Ein Kreuzweg mit 14 großen Stationsbildern ziert ebenfalls die Wände. Beginnend im Chorraum rechts werden die 14 traditionellen Stationen des Leidensweges Jesu dargestellt. 

Die historische Hermann-Heidenreich-Orgel

Zum Schluss geht der Blick auf die Empore. Die historische Orgel in Oberailsfeld gehört zu den bedeutendsten und schönsten ihrer Art in dieser Gegend und darüber hinaus. Sie wurde in den Jahren 1834/37 erbaut. Der Orgelbauer war Engelhardt Hermann aus Stockach bei Haßfurt. Dieser Orgelbauer starb während des Einbaus der Orgel in Oberailsfeld. Vollendet wurde die Orgel von Johann Gottfried Heidenreich.

Die Orgel weist, obwohl erst im 19. Jahrhundert gebaut, typische barocke Merkmale auf, wie man gut am Prospekt erkennen kann. Auch hat sie den typischen Barockklang, was sie besonders wertvoll macht. Die Orgel ist im Gehäuse, seiner Farbgebung und großenteils auch im Werk original.

Nach einer aufwendigen Restaurierung durch Orgelbaumeiser Andreas Hemmerlein aus Cadolzburg konnte die historische Herrmann-Heidenreich-Orgel am 15.2.2019 durch Erzbischof Dr. Ludwig Schick in einem feierlichen Pontifikalgottesdienst gesegnet werden.

(Teile übernommen aus der Beschreibung von Pfr. Peter Klamt)